6. März 2023
In der Klinik für Kardiologie des Albertinen Herz- und Gefäßzentrums am Standort Albertinen Krankenhaus können seit kurzem Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern mit einem innovativen Katheterverfahren behandelt werden: Die sog. Pulsed Field Ablation (PFA) ermöglicht die Behandlung des betroffenen Herzgewebes im elektrophysiologischen Herzkatheterlabor durch gezielte elektrische Impulse, die das Risiko einer Verletzung umliegenden Gewebes, Nerven und Blutgefäße minimieren und somit besonders schonend ist. Das Verfahren bietet zudem den Vorteil einer sehr schnellen und effektiven Behandlung und wird norddeutschlandweit derzeit in nur wenigen Zentren durchgeführt. Das Ablationssystem wurde vollständig aus Spenden in Höhe von insgesamt 150.000 Euro über die Albertinen-Stiftung finanziert, mit großzügiger Unterstützung durch die Adalbert Zajadacz Stiftung, die Witt Stiftung und weiterer Förderstiftungen.
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung: In Deutschland leiden ca. elf Prozent aller Männer und fünf Prozent der Frauen über 65 Jahre unter Vorhofflimmern. Das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden oder an einer Herzschwäche zu erkranken wird durch Vorhofflimmern erhöht. Vorhofflimmern entsteht, wenn einzelne Areale in den Herzvorhöfen fehlerhafte elektrische Signale aussenden und die Herzkammern dadurch unregelmäßig schlagen. Ein unregelmäßiger Herzschlag oder Puls können genauso wie Herzrasen, Einschränkung der Belastbarkeit, Schwäche, Kurzatmigkeit oder Schwindel auf diese Erkrankung hinweisen, doch bleiben auch viele Patientinnen und Patienten zunächst beschwerdefrei. Eine Verödung des betroffenen Gewebes der Vorhöfe mittels eines Herzkatheters kann hier effektiv Abhilfe schaffen, wenn Medikamente nicht wirken oder eingenommen werden können. Dieses als Ablation bezeichnete Verfahren wird bisher in der Regel mit Hitze (Hochfrequenzstrom) oder Kälte (Kryo) – Technologie durchgeführt.
Bei dem innovativen Verfahren der PFA sorgen hingegen weder Hitze noch Kälte, sondern sehr kurzzeitig gepulste elektrische Felder mit hoher Amplitude für eine gewünschte Zellschädigung des erkrankten Gewebes. Dies ermöglicht das zielgenaue und extrem effektive Abtragen von Vorhofgewebe unter Schonung angrenzender Strukturen wie insbesondere der Gefäße, Nerven sowie der Speiseröhre. Weiterhin ist diese Methode sehr schnell in der Anwendung, was eine Verkürzung der Prozedurdauer ermöglicht. Das neue Verfahren bietet daher die Chance, Ablationen noch sicherer zu gestalten.
Priv.-Doz. Dr. Benjamin Schäffer, Klinik für Kardiologie und Leitender Arzt des standortübergreifenden Schwerpunktes Elektrophysiologie im Albertinen Herz- und Gefäßzentrum: "Bei der Pulsed Field Ablation handelt es sich um eine der vielversprechendsten Neuentwicklungen der letzten zehn Jahre auf dem Gebiet der Katheterablation. Neben der Selektivität für Herzgewebe und somit Schonung sämtlicher umliegender Gewebe, wird diese Energie zukünftig auch bei anderen Herzrhythmusstörungen – zum Beispiel in der Herzkammer – zu besseren Heilungschancen beitragen. Ich bin der Albertinen-Stiftung sehr dankbar dafür, dass wir diese innovative Technik zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten einsetzen können."
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Fototermin an einem Nachmittag im August 2022: Prof. Dr. Friedrich-Christian Rieß, Chefarzt der Herzchirurgie im Albertinen Krankenhaus, lernt den 18-jährigen angehenden Maurer Mike von Böhlen kennen. Die beiden verbindet eine besondere Geschichte der Hoffnung, verknüpft durch Mikes Mutter Nadine.
Nadine von Böhlen wird 1981 mit einem schweren Herzfehler geboren, die Ärzte geben ihr keine 24 Stunden. Doch sie überlebt und wird mit acht Monaten in London am Herzen operiert. Kaum 19 Jahre alt, folgt die zweite Herz-OP: Ihr wird eine mechanische Mitralklappe implantiert, sodass sie fortan auf Blutverdünner angewiesen ist. Die Ärzte sagen, sie werde deshalb wohl keine Kinder bekommen können. Es ist ein Schock für die junge Frau aus Schleswig-Holstein.
Ihr Vater recherchiert im Internet und stößt auf das Hamburger Albertinen Krankenhaus. In der Sprechstunde des damaligen gynäkologischen Chefarztes erfährt sie, dass eine Schwangerschaft bei zeitlich befristetem Ersetzen des Blutverdünners durch Heparin grundsätzlich möglich sei. Voraussetzung sei eine engmaschige Kontrolle der Gerinnungswerte durch ihren Hausarzt, um das Risiko eines Verschlusses der Klappe durch Blutgerinnsel zu verhindern.
Nadine von Böhlen wird schwanger. Doch etwas ist von Anfang an nicht in Ordnung, Ihr geht es immer schlechter, sodass sie in der 12. Schwangerschaftswoche in ein Krankenhaus gebracht wird. Dort wertet man die Schmerzen im Brustkorb und die Luftnot als Nebenwirkung der Schwangerschaft. Sie spürt, dass sie dem Tode nahe ist und bittet die anwesende Familie und ihren späteren Ehemann Matthias, sie sofort ins Albertinen Krankenhaus zu fahren.
Die dortigen Kardiologen sind angesichts der mittlerweile tiefblauen Verfärbung ihres Gesichts alarmiert und diagnostizieren, dass die künstliche Herzklappe nahezu komplett verstopft ist. „In einer solchen Situation kann nur eine sofortige Notoperation das Leben der Patientin retten. Es ging eher um Minuten als Stunden“, erinnert sich Prof. Rieß. Er teilt der sterbenskranken Frau mit, dass die OP sofort durchgeführt werden müsse und das Kind leider nahezu keine Überlebenschance habe. Nadine von Böhlen fleht den Herzchirurgen an, das Kind zu retten. „Ich wäre lieber gestorben, als mein Kind zu verlieren“, sagt sie in großem Ernst. Rieß versucht den unmöglichen Spagat zwischen dem Mutterwohl und dem des Fötus, fährt die Medikation und die Belastungen durch die Herz-Lungen-Maschine auf ein Minimum herunter. In einer mehr als fünfstündigen OP wird die mit Thromben fast vollständig verschlossene künstliche Herzklappe ersetzt. Ein Ultraschallbild nach der OP zeigt das Unglaubliche: Das Herz des Kindes schlägt. „Es ist für mich noch heute ein Wunder“, sagt Prof. Rieß.
Die Frage nach dem Kind ist die erste, die Nadine von Böhlen nach dem Aufwachen auf der Intensivstation stellt. Es lebt, sagen die zahlreichen um ihr Bett versammelten Ärztinnen und Ärzte. „Dieser Moment war unbeschreiblich, ich fühlte einfach alles: Glück, Erleichterung, Dankbarkeit und viel Liebe“, sagt sie tief bewegt. Da unklar ist, ob die nach einer Herz-OP notwendigen Schmerzmittel dem werdenden Leben schaden könnten, besteht von Böhlen darauf, diese abzusetzen: „Ich wollte meinen Teil dazu beitragen, dass das Kind gesund zur Welt kommt, nachdem die Ärzte so viel dafür getan hatten“. Die Schmerzen sind unermesslich groß, die Hoffnung auf ein gesundes Kind ist größer. Ihr Partner, ihre Eltern und ihr Bruder sind abermals eine wichtige Stütze.
Der weitere Verlauf der Schwangerschaft ist zunächst unkompliziert, doch dann treten im siebten Monat Blutungen und zusätzlich Herzflimmern auf. Dr. Uwe Herwig, Leitender Oberarzt in der Gynäkologie, rät dringend zu einem Notkaiserschnitt, den Oberarzt Dr. Andreas Gross durchführt. Am 26. April 2004 um 17:47 Uhr kommt Mike im Albertinen Krankenhaus gesund zur Welt und wird auf der Neugeborenen-Intensivstation weiter versorgt. Dank einer Kooperation mit dem Altonaer Kinderkrankenhaus befindet sich die Station im Albertinen Krankenhaus. Derweil liegt Nadine von Böhlen auf der Intensivstation und kann ihr Kind vor einer weiteren Notoperation nur kurz sehen. Als es der Mutter besser geht und alles auf einem guten Weg scheint, erleidet ihr Sohn einen Lungenriss. Erneut geht es um Leben und Tod, doch der Eingriff durch den Spezialisten aus dem Altonaer Kinderkrankenhaus ist erfolgreich. Fünf Tage bangen die jungen Eltern um ihr Kind, dann wird alles gut. Nadine von Böhlen und Prof. Rieß bleiben über all die Jahre in Kontakt, er wird über wichtige Meilensteine in Mikes Leben zuverlässig informiert. Ein Strampler als Geschenk der Ehefrau von Prof. Rieß hat einen Ehrenplatz im Haus. Heute ist Mike ein aktiver und beliebter junger Mann, der mit Prof. Rieß an diesem Nachmittag schnell ins Gespräch kommt. Es ist zu spüren, dass die Familie in ihrer Herzlichkeit durch ein besonderes Band verbunden ist. „Wir führen ein tolles, erfülltes
Der kleine Mike im Jahr 2004 auf der Neugeborenen-Intensivstation des Altonaer Kinderkrankenhauses im Albertinen Krankenhaus
Mike von Böhlen im Gespräch mit Professor Friedrich-Christian Rieß und seinen Eltern Nadine und Matthias von Böhlen
In der Sendung ZDFzeit trifft Horst Lichter Menschen mit unterschiedlichen Herzerkrankungen. Unter anderem begleitet er einen Patienten, der sich im Albertinen Krankenhaus einer Bypass-OP durch Prof. Dr. Friedrich Christian Rieß unterziehen muss.
Ein krankes Herz. Diese Diagnose bekommen Millionen Deutsche jedes Jahr. Doch woran liegt das und welche Rolle spielen Stress, ungesunde Ernährung und zu wenig Bewegung? In der Sendung ZDFzeit hat Horst Lichter Menschen getroffen, deren Herz plötzlich gestreikt hat, sie zu Ärzten begleitet und zeigt, wie weit die Herzemedizin heutzutage ist, um ihnen zu helfen.
Unter anderem hat er den Patienten Armin Pippel in das Albertinen Krankenhaus begleitet. Sein Herz arbeitet aufgrund von verstopften Herzkranzgefäßen nur noch mit einer Leistung von 20 Prozent. Im Albertinen Herz- und Gefäßzentrum muss er sich deshalb einer Bypassoperation unterziehen. Vorab erläutert Prof. Dr. Friedrich Christian Rieß, Chefarzt der Herzchirurgie und Chairman des Albertinen Herz- und Gefäßzentrums, in einem Gespräch den Eingriff und veranschaulicht diesen mit einem Vergleich zum Motor. Ein neuer Bypass sei wie neue Brennstoffleitungen in einem hochwertigen Motor, bei dem die Treibstoffleitungen verstopft sind.
Was konkret bei der Bypassoperation gemacht wird, was die Ursachen und Riskofaktoren für die lebensgefährlichen Engstellen im Herz sind, welche Herzerkrankungen es darüber hinaus noch gibt und wie diese behandelt werden können, sehen Sie in der Sendung ZDFzeit vom 25. Oktober 2022.
Dr. Benjamin Schäffer hat zum 15. Juni die ärztliche Leitung des standortübergreifenden Schwerpunktes Elektrophysiologie im Albertinen Herz- und Gefäßzentrum an den Standorten Albertinen Krankenhaus und Evangelisches Amalie Sieveking Krankenhaus übernommen. Die elektrophysiologische Untersuchung (EPU) dient der Behandlung bestimmter Herzrhythmusstörungen. Hierzu werden mit speziellen Herzkathetern elektrische Signale im Herzen erfasst und durch Verödung krankhaftes Gewebe behandelt.
Dr. Schäffer hat in Hamburg Medizin studiert und seine kardiologisch-fachärztliche Weiterbildung am Universitären Herz- und Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) absolviert. Ein Forschungsstipendium führte ihn an das Brigham and Women’s Hospital in Boston, das führendes Lehrkrankenhaus der Harvard Medical School ist.
Wissenschaftliche Schwerpunkte von Dr. Schäffer sind der Einsatz neuer Technologien zur Verbesserung von Mapping sowie die Katheterablation von komplexen Vorhofrhythmusstörungen und die Behandlung ventrikulärer Arrhythmien. Er verfügt über eine umfangreiche klinische Erfahrung und Expertise, welche das gesamte Spektrum der Elektrophysiologie abdeckt. Ein klinischer Schwerpunkt liegt in der interventionellen Behandlung von Rhythmusstörungen mittels Katheterablation.
Dr. Schäffer war zuletzt als Oberarzt in der Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin in der Asklepios Klinik St. Georg tätig, er hatte dort zudem die stellvertretende Leitung des elektrophysiologischen Herzkatheterlabors inne.
Die kardiologischen Chefärzte im Albertinen Krankenhaus und Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus, Prof. Dr. Karsten Sydow und Dr. Matthias Gasthaus, freuen sich, mit Dr. Schäffer einen äußerst kompetenten ärztlichen Leiter des standortübergreifenden Schwerpunktes Elektrophysiologie im Team begrüßen zu dürfen.
Viele Millionen Menschen in Deutschland sind davon betroffen, kaum einer weiß es: Dauerhaft erhöhter Blutdruck, die sogenannte Hypertonie, kommt vor allem in Industrieländern vor. Prof. Dr. Karsten Sydow und Dr. Matthias Janneck, Experten des Albertinen Herz- und Gefäßzentrums, berichten im NDR-Gesundheitsmagazin „Visite“ über die Gefahren der oft unentdeckten Krankheit und weshalb Vorsorge Leben rettet.
Wenn der Druck in den Gefäßen, die das Blut vom Herzen durch den Körper leiten, chronisch erhöht ist, spricht man von einer arteriellen Hypertonie. Laut Experten ist in Deutschland jeder Vierte davon betroffen, immer häufiger sogar schon Schüler. Oft bleibt die Erkrankung jedoch unentdeckt, da zunächst kaum spürbare Beschwerden auftreten. Stress, mangelnde Bewegung und falsche Ernährung sind bekannte Risikofaktoren für Bluthochdruck.
Herzinfarkte und Schlaganfälle
Weshalb Bluthochdruck eine der gefährlichsten Krankheiten ist, welche Langzeitfolgen bei unentdeckter Hypertonie drohen können und wie eine Routineuntersuchung ein Leben gerettet hat, erläutern Prof. Dr. Karsten Sydow, Chefarzt der Klinik für Kardiologie im Herz- und Gefäßzentrum des Albertinen Krankenhauses, und Dr. Matthias Janneck, Sektionsleiter Nephrologie des Albertinen Herz- und Gefäßzentrums, im NDR Fernsehen. Denn trotz kaum vorhandener Symptome können die Folgen des Bluthochdrucks gravierend sein: Viele Herzinfarkte und Schlaganfälle wären bei rechtzeitiger Vorsorge vermeidbar.
Sehen Sie hier den Beitrag aus NDR „Visite“ vom 08.03.2022
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Das Albertinen Krankenhaus hat sich erfolgreich als „Cardiac Arrest Center“ zertifizieren lassen. Damit unterstreicht die Klinik ihre Kompetenz bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten, die nach einem Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses wiederbelebt und dorthin zur weiteren Versorgung notfallmäßig gebracht werden.
In Studien wurde nachgewiesen, dass das Überleben reanimierter Patientinnen und Patienten nach der erfolgreichen Wiederbelebung ganz wesentlich von der Fachkompetenz und der Ausstattung der weiterbehandelnden Klinik abhängig ist. Unter dem Schirm der German Resuscitation Council GRC (Deutscher Rat für Wiederbelebung) sind deshalb Kriterien entwickelt worden, die von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), der Deutschen Gesellschaft für Herz- und Kreislaufforschung (DGK) sowie der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensiv- und Notfallmedizin (DGIIN) konsentiert wurden.
An einem ganztägigen Vor-Ort-Termin konnten sich die Auditorinnen und Auditoren sowohl von der Verfügbarkeit einer geeigneten Notaufnahme für reanimierte Patienten wie auch der Verfügbarkeit eines Herzkatheterlabors mit der Möglichkeit zur akuten Intervention rund um die Uhr sowie zur Direktübernahme reanimierter Patienten auch im Katheterlabor überzeugen. Weitere Bedingungen wie die permanente Verfügbarkeit eines Platzes auf der Intensivstation inklusive einer fachintensivmedizinischen Betreuung sowie ein lokaler Qualitätszirkel zur Reanimationsversorgung sind ebenfalls erfüllt. Das gilt schließlich auch für erhöhte Anforderungen an die Prozessqualität und die Qualitätssicherung.
Christian Rilz, Geschäftsführer des Albertinen Krankenhauses: „Ich freue mich sehr über die erfolgreiche Zertifizierung als ‚cardiac arrest center‘, mit der das Albertinen Krankenhaus seine besondere Kompetenz bei der Versorgung von präklinisch reanimierten Patientinnen und Patienten eindrucksvoll unter Beweis stellt. Ich beglückwünsche alle an dem Zertifizierungsverfahren Beteiligten zu diesem Erfolg und danke ihnen sehr für ihren Einsatz! Namentlich ganz besonders bei Dr. Mirko Horntrich als Ärztlichem Manager der Intensivmedizin, der die Federführung innehatte, aber auch bei Prof. Dr. Karsten Sydow, Chefarzt der Kardiologie sowie Dr. Daniel Hamann, Leitender Arzt in der Zentralen Notaufnahme.“
Das Albertinen Herz- und Gefäßzentrum am Standort Albertinen Krankenhaus hat hamburgweit erstmals die neueste Generation eines sog. Transkatheter-Aortenklappenersatzes (TAVI) eingesetzt, um den ungehinderten Blutfluss bei einer verengten und verkalkten Aortenklappe des Herzens wiederherzustellen. Der 84-jährige Patient hat den Eingriff gut überstanden und konnte bereits wieder nach Hause entlassen werden.
Bei einer sog. Aortenklappenstenose sind die Taschen der Aortenklappe, die den Blutzufluss des Herzens zur Hauptschlagader (Aorta) regulieren, verdickt und öffnen und schließen sich nur noch schwer. Ursache ist in der Regel die altersbedingte Ablagerung von Kalk an der Herzklappe, was den Durchfluss des Blutes durch die Klappe erschwert (Stenose). Das Herz muss dadurch mehr Kraft aufwenden, um das Blut über die Hauptschlagader in den Körper zu pumpen. Julian Witt, Leitender Arzt im Department für die perkutane Behandlung von strukturellen Herzerkrankungen im Albertinen Krankenhaus: „Dies belastet die betroffenen Patientinnen und Patienten und schränkt sie in ihren Aktivitäten des täglichen Lebens stark ein. Symptome einer Aortenklappenstenose sind häufig Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Schwindel und Müdigkeit.“
Unbehandelt kann eine schwere Aortenklappenstenose zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder sogar zum plötzlichen Herztod führen. Europaweit sind jährlich mehr als 450.000 Patientinnen und Patienten von einer symptomatischen Aortenklappenstenose betroffen. 50% der unbehandelten Patienten mit einer schweren Aortenklappenstenose versterben innerhalb von zwei Jahren.
Bei einer schweren Aortenklappenstenose ist ein Ersatz der Klappe das Mittel der Wahl. Dieses kann sowohl in Form einer klassischen offenen Operation als auch durch ein interventionelles Verfahren geschehen, bei dem die Herzklappenprothese minimalinvasiv mit Hilfe eines flexiblen Katheters über eine Arterie in der Leiste zum Herzen geführt und dort eingesetzt wird (Transkatheter-Aortenklappenersatz, kurz: TAVI).
Im Albertinen Herz- und Gefäßzentrum ist jetzt erstmalig in Hamburg ein neuer Aorten-Klappenersatz mit Namen Evolut PRO+ zum Einsatz gekommen, der in Weiterentwicklung der bestehenden Klappenprothese gleich mehrere Vorteile für Patientinnen und Patienten mit einer defekten Aortenklappe bietet:
Zum einen kann die neue Herzklappenprothese auch bei Patientinnen und Patienten mit einer sehr großen zu ersetzenden Aortenklappe verwendet werden, insbesondere, wenn sich auf Klappenebene ausgeprägte Verkalkungen befinden. Hier passt sich das neue System der individuellen Anatomie des Patienten durch einen flexiblen Rahmen mit einer weichen Umschlagsfalte besser an, was zu einer höheren Dichtigkeit der Herzklappen-Prothese führt. Zum anderen erlaubt das schlanke Einführungssystem der neuen Klappen-Prothese trotz des leicht erhöhten Materialeinsatzes den Zugang auch über kleinere Leistenarterien.
„In der Summe erweitern sich damit die Möglichkeiten, eine passgenaue Behandlung für unsere Patientinnen und Patienten anbieten zu können“, freut sich Julian Witt.
Patient Harald Bärwinkel spürt bereits wenige Tage nach dem interventionellen Klappenersatz eine deutliche Verbesserung seines Allgemeinzustands: „Ich bin sehr froh, dass die OP so erfolgreich verlaufen ist, nachdem bereits zwei andere Kliniken die Durchführung dieses Eingriffs bei mir abgelehnt hatten. Ich kann schon wieder viel besser durchatmen… “
Im Albertinen Herz- und Gefäßzentrum am Standort Albertinen Krankenhaus wurde vor kurzem erstmals ein neues Verfahren für die Implantation eines Herzschrittmachers angewandt: Bei der sogenannten His-Bündelstimulation wird das Herz über das normale Reizleitungssystem stimuliert. Dabei wird eine spezielle Schrittmacherelektrode unter EKG-Kontrolle in das so genannte „His-Bündel“, dem Reizleitungssystem im Bereich der Herzscheidewand (Septum), eingesetzt.
Der Vorteil: Durch das Verfahren wird eine fast normale Erregungsausbreitung mit regulärer Muskelkontraktion des Herzens erreicht. Im Gegensatz dazu führen die bislang üblichen Herzschrittmacher mit einer Elektrode in der rechten Herzkammer zu einer sogenannten asynchronen Stimulation des Herzens und damit verbunden nicht selten zu einer Herzschwäche. Die His-Bündelstimulation hat zuletzt ein enormes wissenschaftliches Interesse erfahren und auch schon Eingang in die Leitlinien gefunden.
Die erste Operation dieser Art hat am 16. September in der Klinik für Kardiologie des Albertinen Krankenhauses stattgefunden. Unter der Leitung von Prof. Dr. Herbert Nägele, Leitender Arzt des Departments für Herzinsuffizienz und Devicetherapie, Dr. Thomas Zerm, Leitender Arzt des Departments Elektrophysiologie und Dr. Daniel Stierle, stellvertretender Leiter im Department für Herzinsuffizienz und Devicetherapie wurde die Schrittmacherimplantation komplikationslos durchgeführt. Der 79-jährige Patient konnte bereits am darauffolgenden Tag wieder entlassen werden.
Prof. Dr. Karsten Sydow, Chefarzt der Klinik für Kardiologie im Albertinen Krankenhaus: „Wir sind uns sicher, dass die HIS-Bündelstimulation in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Allerdings ist das Verfahren im Vergleich zur Implantation herkömmlicher Herzschrittmacher komplizierter und beansprucht somit mehr Zeit für den Implanteur. Aktuell kommt dieses Verfahren daher zunächst bei ausgewählten Patientinnen und Patienten zum Einsatz und beispielsweise nicht bei Notfallpatienten.“
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